Groß denken - mit Karolina Timoschadtschenko und Monika Drummer

Shownotes

Von Journalismus-Praktikum zur Verlagsgründung, von New York zurück nach Berlin – die beiden erzählen, wie sie in der Buchwelt gelandet sind, wie sie mit Creator:innen zusammenarbeiten, welche Trends den Buchmarkt prägen und was sie sich für die Branche wünschen. Außerdem: Buchempfehlungen, private Insights (Pilates, Schlagzeug & Gesangsunterricht) und ein spontaner Fragentornado zum Aufwärmen.

Erwähnte Bücher:

  • Wut und Liebe von Martin Suter (Diogenes)
  • Girls Girls Girls von Shoshana von Blankensee (Penguin)

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00:00:00: Kai-Uwe Vogt: Herzlich willkommen bei Jung & Exzellent, der Show zum Börsenblatt Young Excellence Award. Äh, 13. Runde ist das bei unserem Young Excellence Award. Name ist Kai-Uwe Vogt. Ich bin Redakteur beim Börsenblatt Projektmanager, äh, bei unserem Preis für Young Professionals, die die Buchbranche so richtig rocken. Zehn fabelhafte Personen sind nominiert und zwei davon ihr hier, nämlich einmal Karolina Timoschadtschenko. Schön, dass du da bist. Hi. Und Monika Drummer, Literaturagentin, ist auch hier. Hi Moni. Monika Drummer: Hallo? Kai-Uwe Vogt: war gar nicht abgesprochen. Magst du das, wenn man dich Moni nennt? Monika Drummer: Voll okay, ja, kannst du gerne machen Kai-Uwe Vogt: Glück gehabt bei Carolina, bei dir weiß ich's.

Äh, Caro, wirst du oft gerufen, da wusste ich das. Aber mit Moni habe ich mich gerade ganz schön weit rausgelegt. Okay, aber mein Kopf ist noch dran. Wir haben heute,: äh, auch dreißig Minuten ungefähr Zeit, um euch ein bisschen kennenzulernen. Ich freue mich wahnsinnig drauf, bin, äh, bin da sehr geehrt. Wir machen das auch so, äh, dass wir gleich einen Fragentornado haben.

Da werdet ihr euch gegenseitig, äh, bisschen auf den Zahn fühlen, auf, äh, ganz nette Art. Ähm, und dann kriegen wir nachher noch 'n Buchtipp, äh, von euch. Und ihr dürft der Branche natürlich auch was wünschen. Äh, und wir quatschen natürlich zwischendurch auch, äh, ganz, ganz Zum Award kann ich noch sagen, dass die gesamte Börsenvereinsgruppe ihn, äh, vergibt und die Future Publish ist in diesem Jahr auch Partner und das ist 'n großes Das ist das, was nach außen, was man da nicht so oft sieht, aber was uns ganz, äh, wichtig ist. Da gibt's 'n ganz lebendiges Netzwerk. Äh, jeder, der mal nominiert war, ähm, ist Teil dieses Netzwerks und da passiert ganz viel. Genau, äh, aber der, äh, Award selbst wird: durch eine Publikumswahl vergeben und da ist die Wahlkabine offen und wer noch unentschlossen ist, kriegt heute vielleicht, äh, womöglich eine Anregung, wo er seine Stimme lassen kann sie. Genau, äh, ich hab eben noch unterschlagen, äh, Carolina, du bist Programmleiterin, nicht nur Programmleiterin, sondern sozusagen Gründerin bei Grau, ähm, einem, äh, Verlag, der sozusagen, ähm, Creator, äh, wo Creator, äh, ihre Teil wirklich krassen, äh, Geschichten erzählen. Da werden wir nachher noch 'n bisschen drüber erfahren, äh, du, äh, dazu gekommen bist. Das wollte ich aber, bevor wir jetzt in den Fragentornado damit legen wir nämlich los, äh, nicht, äh, unterschlagen, dass wir das wissen. Weil vielleicht könnte ich mir vorstellen, äh, dass Monika, äh, dadrauf Bezug nimmt und dann wär's ja ganz nett, wenn man das weiß.

Seid ihr bereit für unseren Fragentornado? Okay, Monika, du darfst zuerst Fragen stellen: an Caro. Monika Drummer: Ähm Kai-Uwe Vogt: Los geht's. Monika Drummer: Okay, liebe Caro. Bücher mehrmals lesen oder immer ein Neues? Karolina Timoschadtschenko: Ähm, egal wie gut, für Monika Drummer: Morgens oder abends lesen? Karolina Timoschadtschenko: zu schnell gelangweilt Monika Drummer: Ein Buch oder drei Bücher parallel? Karolina Timoschadtschenko: Schlafengehen Niemals Monika Drummer: Das letzte Buch, das dich gefesselt hat? Karolina Timoschadtschenko: Ähm, Takis Burgers für Polina. Wem das nicht Monika Drummer: Klappentext lesen oder blind ins Buch starten? Ein Skill, den du gerne hättest? Karolina Timoschadtschenko: Am liebsten ganz viele Sprachen

Monika Drummer Frankfurter oder Leipziger Buchmesse: Karolina Timoschadtschenko: Leipzig Monika Drummer: Bücher immer beenden oder auch manchmal abbrechen? Karolina Timoschadtschenko: Das war mal anders, aber heute weiß ich, dass Lebenszeit zu kostbar ist, Monika Drummer: Wie endet oder offen das Ende? Karolina Timoschadtschenko: was einen nicht berührt Ich Monika Drummer: Bist du Coverkäuferin? Karolina Timoschadtschenko: deshalb Happy End Ja, eindeutig und zur Monika Drummer: Stille beim Lesen oder Musik im Hintergrund? Karolina Timoschadtschenko: lesen Kai-Uwe Vogt: Wow, vielen Dank. Spannend. Spannend, spannend, spannend. Ihr dürft jetzt oder du darfst jetzt den Spieß sozusagen rumdrehen, Caro, und jetzt darfst du mal bisschen interviewen. Du hast auch 90 Sekunden Zeit. Los geht's. Monika Drummer: Und so 'ne

Karolina Timoschadtschenko brechen erlaubt oder Todsünde?: Dein Monika Drummer: und E Literatur Karolina Timoschadtschenko: der Buchbranche Monika Drummer: Also Buch Karolina Timoschadtschenko: Taschenbuch oder Hardcover? Monika Drummer: Wassereis mit Cola-Geschmack Karolina Timoschadtschenko: der Arbeit? Monika Drummer: Nach Geborgenheit und nach zu Hause Karolina Timoschadtschenko: dich? Monika Drummer: Dass man nur im Sessel sitzt und liest Karolina Timoschadtschenko: Äh, wie Monika Drummer: Über 60, unter 100 Aktuell ist es die Umsatzsteuervoranmeldung

Keins. Ich lese auch so wie du immer lieber ein neues: Girls, Girls, Girls von, äh, Shoshana von Blank Museum Der erste Karolina Timoschadtschenko: motiviert dich Monika Drummer: des Tages und meine To-do-Liste, weil ich sehr, sehr gerne To-do-Listen abhake und Listen einfach generell liebe Kai-Uwe Vogt: Die wollen wir noch hören. Okay. Karolina Timoschadtschenko: Ja, perfekt. Monika Drummer: Nach gelesen und ungelesen und nach Sprache und auch so 'n bisschen nach, äh, Thematik und nach Optik. Also es ist schon 'ne wilde, schon 'n bisschen 'ne wilde Mischung, aber es funktioniert ganz gut für mich

Kai-Uwe Vogt Ja, ich kann da das total, äh, nachvollziehen und ich bin froh, dass ich diese Fragen nicht so beantworten muss wie ihr, weil das hätte ich niemals so toll auf 'n äh, gebracht. Ich bin total gebaffelt, wie gut ihr das hinkriegt. Wahnsinn. Mir: ist bei euren Lebensläufen-- Es gibt ja, äh, Porträts, ihr wurdet ja interviewt, ähm, äh, den, äh, für den Award, ähm, dann kann man, äh, sehr ausführliche Porträts nachlesen. Und da ist mir aufgefallen: Ihr habt diese Gemeinsamkeit, äh, äh, dass ihr beide mal, äh, Journalismus angefangen habt zu studieren beziehungsweise sogar, äh, im Journalismus, äh, gearbeitet habt. Caro, du hast bei den Ruhrnachrichten sogar in zwei Redaktionen, zumindest mal reingeschnuppert, Praktika gemacht, aber, ähm, das ist schon immer sehr intensiv, wenn man da, äh, mal schnuppert. Also da, äh, steht man ja dann nicht nur ein bisschen nebendran, sondern wird gleich ins kalte Wasser, äh, geworfen. Äh, jedenfalls stelle ich's mir so vor. euch dann aber beide für 'ne andere, äh, Laufbahn entschieden. Jetzt würd mich mal bei euch beiden interessieren. Caro, du fängst vielleicht mal an. Äh,

was hat dich dann, äh, zu sagen „Ah nee, pff.: Ja, war gut, aber mein Weg führt jetzt woanders hin"? Karolina Timoschadtschenko: Ich hab da tatsächlich gar keine klare Antwort drauf, weil das nie eine bewusste Entscheidung war. Also tatsächlich bin ich einfach so auch über 'n Praktikum, weil ich noch nicht ganz entschlossen war nach der Station bei den Ruhr Nachrichten, bei Community Editions gelandet und ja, irgendwie direkt da geblieben und dachte eigentlich erst, ich probier auch mal Verlagswesen aus, um das mal gesehen zu haben. Und wie's dann halt so oft ist, bleibt man dann einfach da. Und es hat mir so gut gefallen, dass ich den Journalismus dann Kai-Uwe Vogt: Genau, also du hast in den letzten Karolina Timoschadtschenko: hab,

Kai-Uwe Vogt sechseinhalb Jahren da, äh, ziemlich Karriere, äh, hingelegt, ne. Das, ne, die wollten das dann, glaub ich, unbedingt behalten. Dann war's, äh, ein Volo und dann, äh, warst du auf einmal schwuppdiwupp Business Development Managerin. Äh, dann warst du, äh, äh,: projekt-, äh, verantwortlich, äh, und dann hast du sozusagen bist du das Mastermind hinter der Gründung von, äh, von Grau, äh, gewesen. Also das ist-- Du hast das selbst als dein, äh, Verlagsbaby bezeichnet und jetzt nach, vor sechseinhalb Jahren Praktikum, äh, angefangen. Jetzt führst du 'n dreiköpfiges Team und hast 'n, äh, Verlag, äh, dort mitgegründet. Wie fühlt sich das an? Ist das, wenn, ist im Rückspiegel irgendwie surreal?

Karolina Timoschadtschenko Total, weil ich mir das irgendwie Also ich hab mich auf dem Weg selten gefragt, was da eigentlich passiert. Ich hab das irgendwie immer alles mitgemacht, ähm, Spaß daran gehabt, hab immer, ähm, viele Chancen bekommen, viele Möglichkeiten, eben genau solche Projekte intern zu schreiben und Zeit gehabt, wie man sich vielleicht denken kann, da überhaupt mal so drauf zurückzublicken. deswegen: manchmal 'n bisschen unwirklich. Aber ich glaube einfach, wenn man Spaß daran hat und irgendwie weiß, was man machen möchte, Kai-Uwe Vogt: Mhm. Auf jeden Fall. Karolina Timoschadtschenko: passiert das Kai-Uwe Vogt: mu-- irgendwas, äh, muss da sein, dass, ähm, da die Türen, äh, dir, äh, dir aufgegangen sind. Monika, wie war das bei dir? Bei dir war's, glaub ich, eher so Reise, Abenteuer. Du bist ja auch so 'ne kleine Globetrotterin, glaub ich, 'n bisschen, ne? Du hast schon in verschiedenen Ländern auch wirklich gelebt. Das ging irgendwie schon im Studium los, ne? Äh, Frankreich war so 'ne, äh, Station, ähm, USA, Monika Drummer: Das ging tatsächlich in der Kindheit schon los. Ähm, meine Eltern sind sehr oft umgezogen mit mir dann. Ähm, also ich war drei Jahre in England in der Schule und, äh, meine Mutter ist Polin und nach dem Abitur bin ich dann auch nach Polen, äh, gegangen, um Journalismus zu studieren, weil ich extrem gerne geschrieben hab.

Also Bücher waren so die größte Konstante in meinem: Leben immer, auch durch die ganzen Umzüge. Ähm, also ja, ähm, durch diese ganzen Umzüge hindurch waren Bücher so das, was, was mich da begleitet hat. Aber ich hab gerne geschrieben und hab da ein Studium in Warschau entdeckt, ähm, ein Journalismusstudium und dachte, das wär so der richtige Weg. Hab aber dann auch ganz schnell gemerkt, dass die Inhalte, um die es da ging, nicht so ganz das waren, wonach ich mich gesehnt hab und dass mir dieses Literarische fehlt. Ähm, ich hab mich auch einfach verändert in der Zeit und wollte immer weniger in diese Reisejournalismusrichtung, die ich mir am Anfang so vorgenommen hatte.

Also meine Vision war quasi, mit der Kamera und 'nem Notizblock durch die Länder zu ziehen und darüber zu schreiben über die Eindrücke. Ähm, und hab aber gemerkt, dass es mich immer mehr in eine literarische Richtung zieht und hab dann einen Studiengang in Erlangen entdeckt, der auch ein Auslandsjahr in Frankreich beinhaltet: hat und hab gemerkt, dass mich das, äh, in dem Moment viel mehr gereizt hat und, ähm, so kam's zu diesem Wechsel in Polen. Kai-Uwe Vogt: Ja, total spannend. Also eine Kosmopolin. Vielleicht, äh, muss man dazu sagen, dass, äh, die, äh, in Polen das, glaube ich, so ist, dass, äh, die, der Essay und dieses, äh, journalistische Langform eine sehr, sehr starke, äh, Tradition irgendwie hat. Jedenfalls glaube ich, dass dieser, äh, nehm ich das so, so wahr. Ähm, du hast auch mal einen Buchblog, äh, der wird grade, äh, renoviert und hast, äh, auch mit Buch und Wort den, 2018 den Buchblog Award, äh, als Newcomerin, äh, abgeräumt.

Der wurde damals vom Börsenverein vergeben. Ich glaub, den gibt's leider gar nicht mehr. schade eigentlich. Aber gut. Äh, und da hast du gesagt, äh, du hast 'n Romanprojekt sozusagen auch selbst, äh, äh, auf: Tasche, wenn ich mich richtig erinner. Wenn ich Monika Drummer: Recht. Kai-Uwe Vogt: Jedenfalls hab ich das irgendwo, äh, entdeckt. Auf jeden Fall, äh, hast du damals, äh, schon gesagt, du willst gerne in der Buchbranche arbeiten. Das hast du ja sehr, äh, erfolgreich, äh, geschafft. Da kommen wir, äh, gleich noch drauf. Genau, aber was ich mich, äh, frage, was ist aus diesem Romanprojekt, äh, geworden? Gibt's das, gibt's das noch? Monika Drummer: Ehrlich gesagt, äh, erinnere ich mich gar nicht daran, das gesagt zu haben. Also für mich ist klar, ich möchte eines Tages einen Roman schreiben, aber nehm das gerade noch überhaupt gar nicht konkret, äh, in Angriff. Also das ist so ein Projekt für später. Jetzt gerade dreht sich alles um meine Agentur und die Selbstständigkeit und, ähm, hab da auch aktuell nichts in der, in der Schublade liegen.

Kai-Uwe Vogt Okay, gut. Vielleicht in, in zehn Jahren. Wir verfolgen ja auch immer die Karriere der, äh, der Alumni und dieses Jahr hatten wir 'n, äh, Artikel mit Büchern, die die, äh, Nominierten oder früheren Nominierten, äh, geschrieben haben und da erstaunlich: viel. Wer weiß, wer weiß, vielleicht tauchst du in dieser Liste auf. Caro, hast du auch so 'ne, ein Projekt, ein heimliches Projekt, über das du jetzt reden möchtest? Karolina Timoschadtschenko: Ähm, kein heimliches Projekt, über das ich konkret sprechen kann, aber ich hab 'ne ziemlich ähnliche Vergangenheit. Ich hab auch, ähm, ja, angefangen, das typische Tagebuch schreiben. Dann hatte ich 'ne kleine Poesiephase, 'ne kleine große Poesiephase. Also es liegen sehr viele Notizbücher bei mir, aus denen man theoretisch

Kai-Uwe Vogt Okay, eine, äh, Agentin deines Vertrauens, äh, hast du ja. eigentlich guter, äh, guter Stichpunkt. Ich möchte mal, ähm, bei dir. Du hast 'ne, 'n sehr, ja, wie-- also du hast die Buchbranche wirklich aus vielen Ecken, äh, schon, äh, schon kennen-, äh, gelernt. Ähm, hast bei Bastei Lübbe, Hansa blau, äh, warst du schon: Hoogendoorn, äh, kennst du. Du hast lektoriert, äh, und, und, und. Das waren gar nicht alle Stationen. Du warst aber dann ganz lange auch im Hörbuchbereich, auch an verschiedenen, äh, Ecken unterwegs. Ähm, äh, und dann hast du aber irgendwann gesagt: Nee, äh, du willst, äh, was anderes machen. Und dann warst du in den USA und hast beschlossen, ich werd, äh, So, wie, wie ist das, äh, passiert? War das so 'ne lange Suchbewegung und das hat nicht gepasst? Oder, also, oder war das reine Neugierde? Wie, wie kam das?

Monika Drummer Also ich hatte schon immer 'n Gefühl, dass ich mich irgendwann selbstständig machen muss, dass das so 'n innerer Drang war und hatte das aber eher so fürs Alter gesehen oder halt irgendwann später. Äh, das war immer so etwas für, für eben einen anderen Zeitpunkt. Und dann war ich an einem: Punkt in meiner Karriere. Ich war, ähm, Hörbuchlektorin und mochte den Job wirklich gerne, mochte, ähm, das Team, war wirklich eigentlich, ähm, recht zufrieden, hab aber immer mehr gemerkt, dass ich was Neues lernen möchte und dass, äh, ich mich weiterentwickeln möchte. Und wollte ursprünglich eine Fortbildung machen und hab nach Fortbildungen recherchiert. Und weil ich im Jahr davor in New York im Urlaub war, hab ich einfach zum Spaß quasi Fortbildung New York bei Google eingegeben und bin ganz zufällig auf einen Publishing-Kurs gestoßen an der New Yorker Uni, der so extrem spannend klang, mit ganz, ganz inspirierenden, interessanten Speakern aus der internationalen Buchbranche und eben so ein Event für quasi Buchmenschen aus der ganzen Welt und wusste, das möchte ich unbedingt machen und hab gespürt, dass das genau der nächste wichtige Schritt war.

Und bin dann da hingereist und hab: das, ähm, ja, äh, machen können. Und hab da eine Scoutin kennengelernt, mit der ich ein ganz, ganz tolles Gespräch hatte, die mich extrem inspiriert hat, ähm, mit ihrem Werdegang und mit ihrem Auftreten und mit ihrem Business und hab mich mit ihr unterhalten. Und an dem Tag hab ich mir selber so das Versprechen gegeben: Wann, wenn nicht jetzt? Ich mach das jetzt einfach. Und das ist jetzt der Zeitpunkt dafür. Und seitdem hab ich an dieser Idee weitergearbeitet, so im Hintergrund und, ähm, alles ermöglicht, um, äh, das in die Wege zu leiten. Und genau, und hab dann erfahren, dass es ein Gründungsstipendium gibt, ein Erasmus-Gründungsstipendium, mit dem man ins Ausland gehen kann und das quasi von der EU finanziert bekommt, wenn man ein konkretes Projekt hat mit 'nem Businessplan und mit einer Person, die man im Ausland kennt.

Und hab dann die Scoutin gefragt, ob sie sich vorstellen könnte, meine Mentorin zu sein für einige Wochen und sie hat zugestimmt. Und deswegen war ich dieses Jahr auch noch mal: in New York, um, ähm, um von ihr zu lernen und den US-amerikanischen Buchmarkt besser kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen. Und fühl mich da grade einfach sehr angekommen und sehr auf dem richtigen Weg. Kai-Uwe Vogt: Mhm. Wow, spannend. Also jeder, der wissen will, wie man, äh, gründet, hat jetzt wirklich 'ne gute, äh, Idee bekommen. Hut ab. Äh, du hast mindestens drei Autorinnen auch schon, obwohl du gerade erst gestartet bist, unter Vertrag. Sandra Cloning, äh, Lisa Kast und, äh, Christine Heimannsberg hab ich, äh, und da kommen sicherlich noch einige, dazu.

Das Besondere bei dir ist ja auch, äh, es ist nicht nur eine, äh, Agentur, sondern, äh, du hast als, äh, Idee auch, äh, dahinter, äh, du machst auch ganz viel, ähm, du arbeitest auch ganz viel mit, äh, Zahlen. Also machst so, äh, Marktanalysen und es ist bisschen datengetrieben, auch im, im Hintergrund. Wie,: wie kann ich mir das vorstellen? Was passiert da? Monika Drummer: Also die ganz ursprüngliche Idee dieser Agentur war der Gedanke: Wie finden wir heraus, was Leserinnen von morgen lesen wollen und wie stellen wir sicher, dass sie genau an diese Stoffe kommen? Also brauchen wir Autorinnen, die, also müssen wir erst mal die Trends kennen und dann Autorinnen finden, die genau in diesen Trends schreiben und hab dann aber schnell gemerkt, dass das ja so nicht funktioniert, weil, ähm, schreiben ja nichts Schematisches ist in dem Sinne. Also man sagt nicht, schreib mir hier eine Enemies to Lovers Geschichte und dann ist das genau nach Schema F, sondern da fließt ja so viel Kreativität ein und das ist ja so ein kreativer Schaffensprozess. Und vor allem muss ich als Agentin auch einfach eine Begeisterung haben für den Text, den ich da lese und vertrete und dann eben an Verlage weitervermittle.

Deswegen nutze ich aber trotzdem einen datenbasierten Ansatz in dem Sinne, dass ich alle möglichen Daten, die: rund um Bücher zur Verfügung stehen, sammle und Auswertungen erstelle, um eine bessere Kenntnis über den Markt zu bekommen. Was wird in den nächsten zwölf bis achtzehn Monaten auf dem deutschsprachigen Buchmarkt passieren, basierend darauf, was wir aus der Vergangenheit beobachten. Also was, ähm, für Trends entstehen zum Beispiel in den USA und kommen zu uns rüber nach Deutschland? Und welche schaffen es nicht rüber? Und wovon hängt das ab? Und warum ist es so, dass Horror als Genre in den USA super funktioniert und bei uns gar nicht? Und wie sind die zeitlichen Zusammenhänge von dem Ganzen? Und mich interessieren einfach diese, auch internationalen Strömungen und möchte einfach durch diese Datenauswertungen ein gutes Verständnis davon aufbauen und darüber hinaus das Ganze nutzen, um Verlagen mittelfristig sagen zu können: "Ich vertrete diese Projekte und aus den und den Gründen werden die bei uns funktionieren."

Oder das ist die Art und Weise, wie ihr sie positionieren könnt. Und: welche Elemente lohnt es sich da hervorzuheben, weil wir das und das beobachten. Kai-Uwe Vogt: Mhm. Was sagt denn die Verlags oder, äh, die Verlagsfrau, Verlagsprofi, Programmmacherin dazu? Zu dem, äh, zu diesem Ansatz. Wenn Monika jetzt zu dir kommt und, äh, so 'n hartes Factsheet, äh, und dann die Autorin im, äh, im Gepäck hat, macht das dann schon mal Eindruck? Wie

Karolina Timoschadtschenko Ja, auf jeden Fall. Vor allem wenn's wirklich zahlenbasiert ist, ist das natürlich was für uns, äh, super spannend zu wissen ist. Zumal, äh, du hast es eingangs gesagt, wir auch mit Creatorinnen arbeiten und das Ganze da natürlich auch viel, viel schneller passiert. Das heißt, wir gucken uns zwar auch Trends an, können aber oft nicht auf Social-Media-Trends zum Beispiel, ähm, unseren Fokus setzen, weil die, bis das Buch: geschrieben ist, vielleicht dann manchmal schon wieder out sind. Das heißt, es ist natürlich immer gut zu wissen, was wird den Menschen in zwölf Monaten, in anderthalb Jahren interessieren. Ähm, und das Ganze dann wirklich zahlenbasiert zu wissen und zu sehen, ist natürlich super interessant, weil's bei uns immer ein, ähm, ja ein Zusammenspiel aus all diesen Faktoren ist, dass wir eben schauen müssen, was ist dann noch relevant, ähm, was gerade online besprochen wird, weil unsere Autor:innen Kai-Uwe Vogt: Mhm. Karolina Timoschadtschenko: Menschen

Kai-Uwe Vogt Genau, also euer Programm bildet ja, ähm, ja, viele gesellschaftliche, äh, Debatten ab. Also Betty Taube hat, äh, schreibt über den Alkoholismus, äh, äh, ihrer Mutter und so dysfunktionale, äh, Familien, sag ich mal. Ihr habt, äh, Riccardo Simonetti, der, ähm, über Männlichkeit, äh, und mögliche neue, äh, Rollenbilder, äh, für eine, ich sag mal, eine neue, äh, Männlichkeit, äh, so: diskutiert. Ähm, äh, ihr habt 'n Buch über Hass in den, äh, sozialen Medien, äh, von der Jenny N., heißt die. Äh, dann, dann kommt's. Jenny Yan, ach, da muss ich mit meiner Unwissenheit, äh, direkt, äh, Genau. Ähm, äh, und so weiter und so weiter. Die Liste, äh, ist da, äh, sehr lang. Wie ist die Zusammenarbeit mit diesen Creatorn? Das sind jetzt erst mal keine, Sachbuchautor*innen, äh, in erster Linie, sondern, ähm, scoutet ihr die, äh, und geht auf die zu und sagt: „Hey, wär das nicht mal was? Wir machen 'n Buch mit dir.“

Karolina Timoschadtschenko Ja, es ist 'n Zusammenspiel aus klassischer Kaltakquise, wenn wir auf Ideen stoßen, wenn wir auf spannende Persönlichkeiten online stoßen, dass wir diese Menschen dann eben kontaktieren und ihnen Buchideen präsentieren. natürlich auch über die Jahre ist 'n: großes Netzwerk entstanden zu Creator Managements, zu Artist Managements in Deutschland, ähm, zu denen wir dann eben 'nen engen Kontakt pflegen und da im regelmäßigen Austausch stehen, ähm, für dann neue Creator:innen und Buchideen austauschen. Und mittlerweile ist das auch ein Medium, über das sich Creator:innen sehr gerne ausdrücken und de-deswegen kommt von denen eben dann auch häufig mal eine Kai-Uwe Vogt: Mhm. Karolina Timoschadtschenko: uns. Kai-Uwe Vogt: du hast grade angedeutet, äh, auch in diesem Bereich gibt's, äh, Agenturen, äh, und Netzwerke. Äh, das ist dann wahrscheinlich immer der, äh, erste, äh, äh, Kontakt, äh, nehm ich mal an. Jedenfalls beschreibst du's so. Äh, wann, wann geht die Arbeit dann mit den Creatorn selbst los und was ist deiner, äh, deiner Du hast wahrscheinlich ganz viele Hüte auf bei so 'nem kleinen Team, stell ich mir vor. Lass uns mal über diese Hüte vielleicht reden. W-welche Hüte trägst du denn sozusagen, äh, am liebsten?

Karolina Timoschadtschenko Ja.: Ähm, am liebsten tatsächlich so die Erstkontakte und die Konzeption dann schon mit den Creator*innen zusammen. Also, ähm, wenn wir dann in Kontakt getreten sind, gibt es meistens Erstgespräche. Die finden sehr häufig schon direkt mit den Creator*innen selbst statt, was immer sehr, sehr schön ist, wenn man dann aus erster Hand auch wirklich erfährt, was die Motivation hinter dem Projekt ist, was die Menschen eigentlich erzählen möchten, was für kreative Ideen sie zum Teil auch schon haben.

Also das ist wirklich immer wieder super schön und du hast es ja auch schon gesagt Wir bedienen sehr viele verschiedene Themen, sehr vie-viele verschiedene Menschen aus verschiedenen Content-Bereichen, sage ich mal. Das heißt, es ist auch immer wieder ein neues Thema für mich und immer wieder 'ne neue Persönlichkeit, auf die ich mich einstellen kann und, äh, ja, Themen, über die ich selbst auch viel erfahren kann. Dementsprechend ist das, glaube ich, so mein Lieblingshut, wenn man dann wirklich: so in den ersten Ideenaustausch Kai-Uwe Vogt: Das hört sich spannend an. Ich hab Karolina Timoschadtschenko: ja, die Visionen Kai-Uwe Vogt: dem Porträt, als ich das gelesen hab von dir, war so mein Eindruck, du bist jemand, der sehr gerne und sehr gut und sehr gründlich auch Konzepte macht und da sehr, äh, versinken aber jemand, der nicht unbedingt auf die große Bühne, von sich aus jetzt hüpft. Wobei du das auch sehr elegant machst, find ich. Ähm, wo entspannst du oder wobei entspannst du, wenn du mal zufälligerweise nicht gerade arbeitest?

Karolina Timoschadtschenko Ähm, beim Lesen tatsächlich oder auch beim Singen. Ich, ähm, nehme nach Jahren Pause wieder Gesangsunterricht. Das hab ich, ähm, gerne gemacht und auch schon in der Schulzeit, in ner Schulband und im privaten Gesangsunterricht. Und hab ich in diesem Jahr auch wieder für mich gefunden. Das tut mir sehr, sehr gut. bei einer: Tatsache, die oder bei einer Sache, die mittlerweile auch zu meinem Job geworden ist und das ist der Sport. ich bin nämlich auch Pilates-Trainerin. Und ja, wenn ich dann in so einem Kai-Uwe Vogt: Mhm. Karolina Timoschadtschenko: stehe, Kai-Uwe Vogt: Spannend. Karolina Timoschadtschenko: ist das Kai-Uwe Vogt: Musikalisch geht's auch bei Monika zu. Man sieht's auch im Hintergrund Monika Drummer: Ja, genau. Ich, äh, lerne Schlagzeug zu spielen, um meinem Namen gerecht zu werden. Aber ja, das, äh, ist in letzter Zeit auch ein bisschen kurz gekommen, weil einfach so viel los war. Ähm, aber grundsätzlich macht das auch sehr viel Spaß, grade so diese Unabhängigkeitsgrooves zu lernen, äh, und zu merken, wie sich so die, die Synapsen bilden und wie es einfach immer leichter wird. Das, ähm, ist so eine Sache, bei der man sehr gut oder bei der ich sehr gut im Moment sein kann. Kai-Uwe Vogt: Ihr habt vorhin keinen Szenenapplaus bekommen. Das hole ich jetzt, äh, aber allerdings noch nach.

Ich würd von euch gerne jetzt noch mal erfahren,: welches Buch ihr besonders gerne empfehlt. Ähm, wer fängt an? Karo, willst du uns vorstellen, welches Buch empfiehlst du besonders oft?

Karolina Timoschadtschenko Ja, ähm, ich empfehle besonders oft Suter, auch wenn's wahrscheinlich keine Empfehlung ist und nichts, äh, wovon man noch nie gehört hat. Ähm, hier explizit Wut und Liebe. Ähm, das hab ich tatsächlich sehr, sehr gerne gelesen. Ich les generell gerne, äh, Suter, muss ich ehrlich zugeben, ähm, weil er sehr klar schreibt, sehr reduziert und mit wenigen Worten irgendwie sehr viel sagt und weil's oftmals auch noch 'nen, ja, spannendes Element, 'n Thriller-Element gibt, was ich ganz gerne mag persönlich. und ja, ich find einfach beide Gefühle, sowohl Wut als auch Liebe super, super spannend und grade den Kontrast dazwischen. und ich sag immer ganz gerne,: dass aus Liebe sehr schnell Wut entstehen kann und aus Wut kann auch mal über Nacht Liebe werden. Ähm, ja, und die beiden Gefühle sind irgendwie so nah beieinander und ich mag auch, dass bei Martin Suter immer ein künstlerisches Kai-Uwe Vogt: Mhm. Spannend und ist im Diogenes Verlag erschienen, wie fast alles von Suter oder sogar alles. Genau, ein weißes Regal. Karolina Timoschadtschenko: Wie Kai-Uwe Vogt: Monika, welches Buch empfiehlst du denn sehr gerne und sehr häufig?

Monika Drummer Das hab ich Anfang des Jahres gelesen. Girls Girls Girls von, äh, Shoshana von Blankensee. Und das ist ein Debüt und wurde meines Wissens noch in keine anderen Sprachen übersetzt. Ähm, und das sollte sich dringend ändern, find ich. Es ist eine queere Coming of Age Geschichte. Es geht um zwei junge Frauen in den Neunzigern, die aus dem Staat New York nach San Francisco reisen und sich dort ein: neues Leben aufbauen wollen und sich quasi noch mal neu erfinden wollen und komplett, äh, kein Geld haben und, äh, eigentlich auch gar keinen Plan, wie sie das anstellen sollen und fangen dann erstmal an, in einem Stripclub zu arbeiten und erleben da alle möglichen Abenteuer und lernen sehr, sehr viel über sich selbst und, äh, übereinander. Und es ist super packend geschrieben. Es ist auch emotional. Es ist sehr zugänglich und trotzdem sehr literarisch. Das ist immer so meine liebste Kombi bei Büchern. Und ja, ich finde, das sollten viel mehr Menschen noch auf dem Schirm haben und lesen. Ein ganz, ganz tolles Buch. Kai-Uwe Vogt: Okay, hört sich auf jeden Fall sehr spannend an. Wir sagen auch da den Verlag: Wo ist das Buch erschienen? Monika Drummer: Ist jetzt, äh, bei Penguin erschienen. Ähm, genau, das ist eine US-Autorin Kai-Uwe Vogt: Mhm.

Monika Drummer ein englisches Buch, also englischsprachiges Buch: Kai-Uwe Vogt: Okay, und vielleicht bald, gehört sie auch zu deinen Autorinnen und du vermittelst die Rechte überall hin. Wer weiß? Spannend wär's Wir sind schon fast am Ende. Jetzt ist der Punkt, wo ihr der Buchbranche etwas wünschen dürft. was ist dein Wunsch an die Buchbranche? Monika Drummer: Ich wünsche mir, dass sich, ähm, dass sich kommerzieller Erfolg und literarische Qualität nicht ausschließen und dass das, äh, allgemein anerkannt, äh, wird, dass es, ähm, dass beides koexistieren kann und dass das mit die besten Bücher sein können, die sowohl einen Nerv treffen und den Zeitgeist als auch einfach Page Turner sind, ähm, und dass das sehr viel Spaß machen darf.

Und dann fand ich auch noch sehr schön, was Larissa Ruf gesagt hat in der ersten Podcastfolge mit dem Möglichkeitssinn.: Also dass quasi, ähm- Also sie meinte, sie wünscht sich, dass die Branche einen Möglichkeitssinn hat und eben Möglichkeiten erkennt und sieht. Und das find ich auch, ähm, ein sehr schönen Punkt. Also dieses über den Tellerrand hinausschauen und überlegen, was können wir noch machen? Wo kann man sich noch besser vernetzen? Was machen andere Länder und wie sieht da der Buchmarkt aus? Und dass man einfach so die Augen offen hält. Ähm, und ansonsten find ich, dass das eine sehr, sehr nette Branche ist und ich wünsche mir einfach, dass das so bleibt. Kai-Uwe Vogt: Vielen Dank. Carolina, was ist dein Wunsch an die Buchbranche?

Karolina Timoschadtschenko Ja, für mich als programmschaffende Person ist es manchmal ziemlich erschreckend zu sehen, was publiziert wird, was in unsere Bestsellerlisten klettert. Deswegen würd ich mir wünschen, dass, äh, in Zukunft noch mal mehr auf,: äh, verlegerische Verantwortung geschaut wird, auf die Werte, die, äh, Verlage vertreten und Geschichten, die sie nach außen tragen, und eben die Bücher, die sie publizieren. dass wir Menschen auch weiterhin den kulturellen Wert von Büchern und dem geschriebenen Wort sehen, vor allem auch in Zeiten von KI. Kai-Uwe Vogt: Ja, herzlichen Dank. Ein Plädoie für Verantwortung beziehungsweise für und Offenheit. Die Zeit geht so schnell rum. Es hat mir wahnsinnig Spaß gemacht. Wie gesagt, die Wahlkabine beim Börsenblatt Young Excellence Award ist offen. Ich hab 'n bisschen getalkt mit Monika Drummer und Karolina Timoschadtschenko. Vielen, vielen Dank, dass ihr da wart. Monika Drummer: Danke für die Einladung

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